Zwei Deadlines, die Unternehmen richtig Geld sparen können: Degressive Abschreibung (DE) & Investitionsfreibetrag (AT)
Gute Nachrichten für Unternehmerinnen und Unternehmer: Es gibt aktuell zwei gesetzliche Fristen in Deutschland und Österreich, die kurzfristig echte Steuervorteile bringen können. Klingt trocken? Ist es nicht. Mit ein paar einfachen Schritten könnt ihr eure Liquidität verbessern und Steuern sparen – ohne aggressive Gestaltung, sondern durch kluge Planung.
Was läuft genau aus?
Deutschland: Degressive Abschreibung (bis zu 30%) – Ende 2027
In Deutschland ist die Möglichkeit, bestimmte Wirtschaftsgüter degressiv abzuschreiben – also in den ersten Jahren höhere Abschreibungen vorzunehmen – bis Ende 2027 befristet. Das heißt: Wer Investitionen noch vor diesem Datum in Rechnung stellt, kann höhere Abschreibungen und damit niedrigere Steuerzahlungen in den ersten Jahren nutzen.
Österreich: Erhöhter Investitionsfreibetrag (20% / 22%) – läuft 31.12.2026 aus
In Österreich besteht derzeit ein erhöhter Investitionsfreibetrag von 20%. Für bestimmte Klimainvestitionen sind es sogar 22%. Diese Sonderregelung endet am 31.12.2026. Wer also Anschaffungen plant, sollte prüfen, ob sich eine Vorziehung lohnt.
Warum solltet ihr das prüfen?
Stellt euch vor: Ihr plant in anderthalb Jahren eine neue Maschine. Gleiche Maschine, gleicher Preis – aber eine Änderung beim Rechnungsdatum kann euch dieses Jahr deutlich niedrigere Steuern verschaffen. Klingt simpel? Ist es auch oft.
Die wichtigsten Gründe kurz zusammengefasst:
- Sofortiger Liquiditätsvorteil: Durch höhere Abschreibungen sinkt der steuerpflichtige Gewinn.
- Bessere Planbarkeit: Steuervorteile jetzt nutzen statt später verlieren.
- Keine fragwürdige Gestaltung: Es geht um gesetzlich vorgesehene Möglichkeiten.
Wann lohnt es sich, Investitionen vorzuziehen?
Frag dich selbst: Steht die Anschaffung innerhalb der nächsten 24 Monate an? Dann lohnt sich definitiv ein Blick. Nicht jede Investition muss vorgezogen werden. Es hängt ab von:
- Dem geplanten Anschaffungszeitpunkt
- Der Höhe der Investition
- Der aktuellen steuerlichen Situation eurer Firma
- Der Firmenstruktur (Einzelunternehmen, GmbH, Personengesellschaft etc.)
Ein kleines Rechenbeispiel macht das klarer:
Angenommen, ihr kauft eine Maschine für 100.000 EUR. Mit einer degressiven Abschreibung könnt ihr in den ersten Jahren deutlich mehr als bei linearer Abschreibung absetzen. Das senkt euren zu versteuernden Gewinn – und damit die Steuerlast. Das frei werdende Geld könnt ihr wieder in das Unternehmen investieren.
Praktische Schritte: So geht ihr vor
So könnt ihr die Chance nutzen, ohne Risiko:
- Prüft geplante Anschaffungen: Liste machen: Was steht in den nächsten 24 Monaten an?
- Rechnungsdatum beachten: Oft reicht es, die Rechnung vorherzustallen oder die Lieferung zu beschleunigen.
- Firmenstruktur prüfen: Manche Rechtsformen profitieren mehr von bestimmten Regelungen.
- Steuerberater kontaktieren: Für die konkrete Umsetzung und Dokumentation.
- Dokumentation sicherstellen: Beleg- und Vertragslage sauber halten – das schützt vor Nachfragen.
Ein kleiner Tipp aus der Praxis
Ich habe einmal mit einem produzierenden Betrieb gearbeitet, der eine neue Presse geplant hatte. Durch eine Vorziehung der Rechnung um wenige Wochen konnten wir den Investitionsfreibetrag nutzen und die Steuerzahlung im Folgejahr deutlich senken. Das frei gewordene Kapital finanzierte kurzfristig Material und Personal. Ohne großen Aufwand.
Was sind die Risiken oder Fallstricke?
Die Möglichkeiten sind attraktiv – aber es gibt Punkte, die ihr nicht übersehen solltet:
- Liquidität prüfen: Vorziehen heißt oft: früher zahlen. Kostet das eure Kasse?
- Wirtschaftliche Notwendigkeit: Kauft nicht etwas nur wegen Steuern, wenn die Anschaffung keinen Mehrwert bringt.
- Rechtliche und bilanzielle Rahmenbedingungen: Manche Regeln erfordern bestimmte Nachweise oder Fristen.
- Beratung ist Pflicht: Jede Situation ist individuell – bitte Steuerberater hinzuziehen.
Kurz: Wer sollte jetzt handeln?
Handeln sollten Firmen, die:
- in Deutschland oder Österreich steuerpflichtig sind,
- in den nächsten 24 Monaten größere Investitionen planen,
- und deren Unternehmensstruktur geeignet ist.
Wenn einer dieser Punkte auf euch zutrifft, lohnt sich ein kurzes Gespräch mit eurem Steuerberater. Oft reichen wenige Minuten Auswertung, um zu sehen, ob ein Vorziehen sinnvoll ist.
Checkliste für euren nächsten Schritt
- Liste der geplanten Anschaffungen – mit voraussichtlichem Datum
- Prüfen, ob Rechnung vorgezogen werden kann
- Steuerberater anrufen – konkrete Berechnung anfordern
- Firmenstruktur analysieren – ggf. interner Rat oder extern
- Entscheidung treffen – Investition vorziehen oder im Plan lassen
Fazit
Die Fristen sind real: In Deutschland endet die Möglichkeit zur degressiven Abschreibung (bis zu 30%) Ende 2027. In Österreich läuft der erhöhte Investitionsfreibetrag (20%, für Klimainvestitionen 22%) am 31.12.2026 aus. Wenn ihr in den nächsten 24 Monaten eine Anschaffung plant, prüft unbedingt, ob ein Vorziehen der Rechnung oder eine Anpassung der Firmenstruktur euch einen klaren Steuervorteil bringt.
Habt ihr Fragen oder wollt ein konkretes Beispiel durchrechnen? Dann kontaktiert euren Steuerberater – oder schreibt mir eine Nachricht mit euren Fragen. Ich helfe gern, die richtigen Punkte zu strukturieren.
Jetzt handeln: Prüft eure Investitionsliste, sprecht mit eurem Steuerberater und nutzt gesetzliche Vorteile, solange sie bestehen.